Boxenstopp
Der Tag sollte mich weiter am Bergrücken entlang führen, aber da der Abstieg gestern gar so steil gewesen war, verzichtete ich auf den direkten Anschluss und wählte erstmal die kleine Straße, und getreu dem bewährten Rezept wurde mir wiederum eine nächste Unterkunft organisiert, die Richtung passte, es sei eine neue Anlage, alles tiptop, na dann sehen wir mal. Besonderes Zuckerl heute wieder: Gepäcktransport, ju-huu! War auch nötig, die girls waren bissl gepisst von den Steigungen der Vortage, so konnte ich auch mal Maja etwas entlasten, die mich sonst täglich rumschleppen darf, sie kriegte mal sattelfrei. So kam Saeta wieder mal in den Genuss. Oder ich, oder wie mans nimmt.
Die liebe Saeta. Wir beide haben ja so eine Art
„on-off“-Beziehung, ich gebs ja zu. Hassliebe könnte man auch sagen. Wenn sie sich extrem eselig benimmt, drohe
ich ihr immer, sie am nächsten Baum anzubinden und da zu lassen, aber
andererseits, wer trägt dann das Gepäck? Hier muss ich doch mal eine Lanze für
sie brechen. Obwohl sie mich mit ihrer Freßsucht und Eigensinnigkeit manchmal in Rage bringt, sie
hat immerhin, ohne dass ich sie in Streifen geschnitten in die Pfanne legen
hätte müssen, bis hierher brav mitgemacht, obwohl es für sie als Packpferd sicher auch
anstrengend ist, das Gepäck lehnt sich schließlich nicht entlastend nach vorn,
wenns bergauf geht, und schiebt bergab nach unten, das kann nicht immer so
lustig sein. Doch da stapft sie tapfer hinterdrein, beklagt sich nicht, und
hält stetig das Tempo ohne Murren, achtet auch noch brav auf minimalen Abrieb
der Eisen, wenn auch nicht unbedingt der Packtaschen. Es fällt irgendwo was
runter? Kein Problem, da schaut sie nicht mal. Verkehr? Pah, die Straße ist
doch für sie gemacht. Engstellen? Passen wir doch looocker durchhhhh (schrappppp!!) Hunde, Container, Geräusche? Vollkommen wurscht. Der Fels
in der Brandung. Nur wehe, wenn wir stehenbleiben. Dann wird das Freßprogramm
eingeschaltet, so schnell kann ich gar nicht schauen, und sie saugt sich magnetisch an den
nächsten Grashalm. Oder Beifuß. Eh klar, im Winter gibt’s ja nix. Und man muss was für die Abwehrkräfte tun. Und die Route tät sie auch
ganz gern selber bestimmen, sie ist halt ein sehr selbständiges Pony. Da
diskutieren wir zuweilen. Beim Bergabgehen über die Steine lass ich sie sowieso
ganz alleine entscheiden, wo es am besten zu gehen ist, das machen beide sehr
gut. Alles in allem, sind wir wieder gut. Braves Pony. Gutes Team. (wehe, wenn eine fehlt...)
Heute wars ebenso, wir stapften gemütlich unseren Bergrücken lang, dann irgendwo wieder runter, die Route war wieder menschenarm, laaanges Bergabstück, durch Brombeerhecken, die einem netterweise am Regencape hängenbleiben. Ach ja, es hatte angefangen zu regnen, sicherheitshalber zog ich mal die ganze Ausrüstung an. War gescheit. So trocken, wie die Waldböden hier sind, könnte man manchmal Angst kriegen, dass Funken, die von den Hufeisen fliegen, ein flammendes Inferno rundherum auslösen. Zum Glück ist es nicht mehr heiß, sonst…?
Bei Nieselregen kamen wir etwas gruselig im Zwielicht bei der „Farm zum schwarzen Pferd“ am „Weg der Messer“ an, (wo nur die Namen immer herkommen…) wo eine, nein zwei Riesenboxen auf sie warteten. Ich wurde gleich informiert, dass das Wetter schlecht bleiben sollte, ob ich nicht besser hierbleiben wolle? Der Wetterbericht klang in der Tat nicht prickelnd, und irgendwann nach Wochen musste es ja auch mal wieder regnen, die Natur dürstete, ich wollte da nicht dazwischenfunken… 😉 und wenn man schon weiß, dass man nass wird, sollte man zumindest einen guten Stall und eine Unterkunft haben. Zelten im Freien wäre da nicht so toll, und die Ponys zumindest teilweise im Trockenen zu wissen kann auch was. Verdient hatten sie sich eine Pause jedenfalls, nach 25 Tagen durchmarschieren. Immerhin war der Platz für übermorgen schon gesichert.
Am Ende waren es dann zwei Tage, die ich auf der Farm
verbrachte, Sachen sortieren, blog und anderes schreiben, Wäsche waschen, Lyon besuchen,
organisieren. Die sehr netten Besitzer brachten mir alles was ich brauchte,
einschließlich Gemüse aus dem Garten und Fahrservice, weil zum Einkaufen kommt man zu Fuß nicht
allzuweit, Obwohl – der Nachbarhof hat einen ab-Hof-Verkauf. Endlich konnte ich auch mal wieder Kürbis zubereiten, ich dachte schon, das wird heuer nix mehr, aber die Kürbispfanne mundete sehr.
Traurig, aber hilft nix: an dieser Stelle muss ich mich von Helmut verabschieden, die Befestigung gab nach, es war ein eher trauriges Bild, so dass er ab nun nur noch als Helm verfügbar ist. Die große Sonnenblenderei ist vermutlich jetzt eh rum. Hat sich aber immerhin für 1500 km bewährt, der Prototyp. Mit ein paar Verbesserungen wird er sehr gerne wieder genommen. Ab sofort brauch ich was anderes, um aufzufallen…
R.I.P. Helmut.
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