Spezialwege
Gabs speziell für uns, Marjolaine hatte sowohl Unterkunft für uns als auch Streckenplanung organisiert, ich war bis zum Start zwar unschlüssig, ob ich die 8 (acht!) Extrakilometer tatsächlich dranhängen wollte. Aber die Würfel fielen letztlich dafür, und ich muss sagen, das wars wert. Die ersten Kilometer schön im Schatten, waren wir hochmotiviert, die arge Wärme ließ heute etwas auf sich warten, wir hatten auch wieder einen schönen Pausenplatz an einem See, zwar ohne Sitzgarnitur, aber dafür auch ohne Beseitigungsprobleme.
Heute trafen wir das erste Mal französische Isländer, ihre Gangart hat sie verraten. Oft stehen ja isländerähnliche Ponys herum, aber das sind meist Mixturen. Ob die Franzosen da manchmal auch ihre Isis gnadenlos mischen beim Züchten? Werd ich vermutlich nicht rausfinden..
(man beachte den Kontrast zwischen Tor und Hütte...)Erstaunlich, was gutes Geläuf bei den Ponys ausmacht. Wir hatten fast 80% Wiesenwege oder zumindest Randstreifen, Sandwege, naturbelassen an der Seille entlang, kein Mensch weit und breit bis auf ein paar Fischer, da blieben sogar die Schweißtropfen im Rahmen und trotz 28 km und Wärme Motivation bis zum Ziel. Das Ziel – die Seillemündung in die Saone, La Truchère. Dort lagen ein paar Bötchen im „Hafen“, drei Restaurants bieten zu Zeiten ihre Spezialitäten an, deren eine die berühmt-berüchtigten Froschschenkel zu sein scheinen. Denen wollte ich jedenfalls aus dem Wege gehen, weil Frösche essen geht gar nicht. Angekommen am Ziel, der Schleuse, durfte ich dann erstmal Zelt aufbauen, ohne Heringe, da Untergrund zu steinig. Mal sehen, wies hält, dachte ich, zum Glück ists mild und kein Wind.
Das Lokal am Flüsschen besuchte ich dann doch noch abends, aber ohne die Frösche, die lass ich leben.
Erstaunlich mild war die Nacht, aber dennoch – wir schreiben Mitte Oktober, bis das Zelt trocken und eingepackt war, wars elf, die Ponys etwas gepisst von der mageren Nachtwiese und ich vom Zelt abwischen. Immerhin konnte ich den Damen etwas von dem vorgestern gefundenen Mais anbieten, den sie sogleich verspeisten. Für mich brauchte ich noch Plan B, das Brot vom Bäcker war von (vor)vorgestern.
Das Blödeste ist immer, wenn auf die Schnelle kein Plan und kein Ziel ausfindig zu machen ist. Du packst alles ein, aber eigentlich könnte man genauso da sitzenbleiben, weil man eh nicht weiß, wohin. Das Netzwerk war irgendwie hier in einer Sackgasse, genauso wie die Lokalität der Schleuse. Jedenfalls raus hier, soviel war klar. Schnell Patricia noch angekurbelt, ob sie niemanden wisse in die gewünschte Richtung. Ja schon, aber eine Prüfung ergab, dass das etwas „zurück“ wäre. In Ermangelung einer anderen erreichbaren Station, war ich zuerst abgeneigt, aber schlussendlich weichgekocht. (Ja, es war wieder warm.) Also sechs Kilometer nach Norden, nach Tournus („Turnü“) und dann noch weiter westlich. Das Flachland, das ich seit vier Tagen durchquerte, ist mit der Überquerung der Saone vorbei, die „Berge“ haben mich wieder. Die Saone präsentiert sich bei Tournus ganz schön breit, bei dieser sieht man sogar eine Strömung, was mir bei der Seille nicht gelungen ist zu entdecken. Darin wachsen sogar die Seerosen, kein Wunder, dass man da gut mit Hausbötchen tuckern kann.
(Für die Versicherungs- und Feuerwehrleute unter den Lesern: Löschwasserdepot auf französisch)Ich holte mir noch eine Pizza bei dem gestrigen Lokal, beim Verspeisen derselben konnten die girls noch dringenden Mäharbeiten frönen, worüber sie sicher froh waren. Dann los, durchs Wasserschutzgebiet auf weichen Wegen an der Saone lang. Dann Tournus: Stadt- und Flussüberquerung inklusive Engstellen – pah, mittlerweile Kleinigkeiten. Dann zog sichs ein wenig, es war sehr schwül und ging bergauf. Nach lächerlich wenigen Kilometern waren wir alle drei streichfähig und freuten uns aufs Ende. Host Marilyn kam etwas später an als wir, das machte nix, wir chillten unterm Baum, ich bekam noch eine kleine Sightseeing-Tour der Region (mit dem Auto) und noch ein Abendessen, nach dem ich den Schlaf der Gerechten schlief.





Kommentare
Kommentar veröffentlichen