Islandwetter Vol. III

 

Entweder muss ich bald Flossen oder Schneeschuhe montieren...?

Die Ponys waren ja gestern quasi am Schulhof untergebracht, und die Zwischentür zum Hartplatz oder wozu auch immer der asphaltierte Platz dient, war sehr niedrig anzuschauen gewesen, aber das mache nix, meinte die Barfrau, es sei ja alles eingezäunt. Tja, aufgekriegt hatten sie das Türl schon am Vorabend, und nachts hörte man das Geklacker der Hufeisen auf dem Hof, den sie auch schön verziert hinterlassen haben. Was sich wohl die Schüler nächste Woche denken?

Ich packte auf, derweil die Ponys vor dem Schulgebäude am Baum hingen, eine Nachbarin kam und war ganz interessiert, ich durfte meinen okzitanischen Sprachkurs erweitern und als ich endlich alles auf Saeta gepackt hatte, tat sie ihr dermaßen leid, dass sie anbot, das Gepäck zum nächsten Ort zu transportieren. Ich muss ein derart erfreutes Gesicht gemacht haben, dass sie dann (nachdem wir alles in den Kofferraum verfrachtet hatten) 10 Euro verlangt hat. Kurzfristig schlief mir mein Gesichtszug wieder ein, aber wer A sagt…

Es war noch leicht feucht draußen, etwas Nass war angesagt, aber ich war optimistisch, es sollte ja nicht viel sein, und mal sehen, vielleicht ließ sich das Zeug ja wegschieben. Eine halbe Stunde später – ich war gerade aufgestiegen – fings dann doch an. Wer sich je gefragt hat, ob man eine Regenhose auf dem Pferd anziehen kann – es geht! Allerdings, es ist ein Trick dabei, im Damensitz. Wie immer gilt für Mitlesende: Bitte nur unter Aufsicht nachmachen oder besser gar nicht. Maja nahms total gelassen. Ich wollte nämlich weder absteigen noch anhalten. Also erst die Hose, dann das Cape. Dabei weitertuckern. Die Wanderreitpferdeprüfung diesbezüglich würde sie mit Bestnote bestehen, so es eine solche gäbe. Aber wehe, es kommt ein Esel…

Wenn nur nicht die Handschuhe ständig nass werden würden. Innendrin (also unterm Regenzeug) war ich warm mit der neuen Jacke ausgerüstet, die mußte heute sein. Die Strumpfhose war auch gut. Es blieb grauslich bis zum Schluss, mit kleinen Pausen. In Nasbinals stand ich mal wieder vor einem Laden, der vor 10 Minuten zugemacht hatte. Dafür war das Wirtshaus auf. Und nebenan schob die Bäckersfrau Wasser aus dem Laden. Die hatte zwar offiziell auch zu, aber verkaufte mir bereitwillig eine Brotzeit. Stichwort Brot – das ist hier billiger als bei uns. Ich kanns meistens kaum glauben, dass ich nur 1,50 bezahlen muss oder so. Ich hängte die Mädels mal schnell unter einen Baum und schlich mich ins Wirtshaus. Da bestellte ich mir an der Bar einen Tee zum Hände und Seele wärmen, während  die Pfütze unter mir (vom abperlenden Regen!!) größer wurde. Der kostete dann 3,30 Euro. Inzwischen hatte es fast zu regnen aufgehört und ich sattelte um. Sollte Maja auch mal frei haben. Die restliche Strecke mußten wir auf die Ausweichroute, da der originale Weg durch Rinderweiden geht, wo nur Fußgänger ohne Begleitung erlaubt sind. Aber staunenswerterweise war hier neben der Straße (der Ausweichweg) ein geschotterter, gevliester, gesandeter Weg angelegt, welch Luxus. Darauf ließ es sich auch wunderbar traben. Auf geht’s, Saeta!

Danach waren es noch die tiefliegenden Wolken, die herumtrieben, immerhin sind wir auf über 1200 m Seehöhe, wir kamen nach ca. 20 km in Aubrac an, wo mir die nette Barfrau gestern ein Zimmer reserviert hatte. Und den Garten gegenüber könnte ich für die Ponys haben, meinte der Hotelmann. Den erstmal inspiziert, links ein Loch im Zaun, hinten seeehr niedrig, Maschendraht und Stacheldraht, uh-oh.. Mein Hinweis, dass das Loch zugemacht gehört, wurde erstmal ignoriert, meine Sattelsachen durfte ich draußen unter dem Tisch lagern, weil sonst riechts ja… eine Plane wurde noch gebracht, na gut.. Dann kam der Hotelbesitzer mit einer Rolle universalem landwirtschaftlichem Allzweckschnürl an, woraufhin ich nach dem Plane befestigen ans Zaunflicken ging – nachdem ich mich erst mal von meinen Regensachen befreit hatte, weil Löcher durch Stachelzaun kann ich da nicht gebrauchen, mir reicht das Loch von Saeta… 


 

Der Garten gehört dem Nachbarn, na der wird sich über die kreative Zaungestaltung wundern. Was macht man nicht alles, damit man morgens nicht Ponys suchen gehen muss. Das transportierte Heu von heute morgen legte ich ihnen auch noch hin. Große Bäume, Windschutz, okay. Ich dacht mir noch, also wenn das hier nicht weit und breit der einzige Laden wäre, der offen hat, dann würde ich jetzt vielleicht mein Zeug packen und weiterziehen. Aber das Wetter war nicht ganz so einladend, die Uhrzeit und das Saisonende machens nicht besser. Schließlich gelangten endlich meine Packtaschen ins Innere des Hotels, das stolze 70 Euro kosten würde (und das ohne Essen), ob ich denn alles daraus brauchen würde und ins Zimmer tragen wollte? Aber sicher. Der glaubt doch nicht, dass ich jetzt anfange, meine Schlafsachen da rauszuholen. Immerhin, im Inneren knackte der warme Ofen. Und die Schuhe etcetera könnte ich da trocknen. Hmhm. Das Interieur des Hotels machte einiges wieder wett. Alles aus dem letzten Jahrhundert, die Möbel, die Fotos, Bilder, Ledersessel, knarzende Holztreppen, schon eine schräge Bude, die man gerne mal gesehen hat. Eigenes Flair. Und superschnelles WLAN. Wieder ajour. Abendessen selbstgekocht, auch mal wieder gut, nach dem eigenen Geschmack. Nicht zuletzt - ein gemachtes Bett, in das ich mich diesmal ohne Schlafsack legte. Für das Geld muss das aber auch drin sein. Wenn schon die Sättel definitiv schlecht schlafen.



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