aufi und obi

 


Der folgende Tag wurde von Francois als „eine der schönsten Etappen“ am Jakobsweg angepriesen. Hier würden auch zwei innerfranzösische Routen zusammentreffen, zum einen die aus Vezelay und die von Le Puy en Velay her kommende, auf der ich unterwegs war. Zunächst begann diese Route aber erstmal … auf der Straße… :-/ Durch Aroue rauschen die Laster durch, dass man meint, es wäre Renntag. Nachts war ich einmal durch einen Höllenlärm aufgewacht, weiß Gott, was da vorbeigekommen ist. Die Ponys waren aber zum Glück weiter weg von der Straße, und auch glücklicherweise morgens noch da.

Langsam sah man auch an den Häusern, dass man im Baskenland angekommen war – recht einheitlich weiß mit weinroten Fensterläden, Geländern, Dachrinnen und Zäunen. Aber der auffälligste Unterschied scheint zu sein – es ist aufgeräumt! Die Bauern haben stramm gespannte Zäune, stabile Metalltore, moderne Traktoren und! das Heu unter Dach! Bei einem Hof hatte man den Eindruck, hier könnte man vom Boden essen. Ob das nun ein Ausnahmeexemplar war, wird sich weisen. Auch die Maisfelder sind hier abgezäunt, nix mit Selbstbedienungsladen…


Da kann sich mancher ein Scheibchen abschneiden

 

A propos Mais: die Siliersaison beginnt! Mehr als einmal mußte ich vor den Erntewagen sozusagen „in Deckung“ gehen, die sind einfach zu breit für uns alle. Immerhin, sie fahren nicht wie die Henker, wie sie es in Niederbayern tun, zuweilen…

...es wird doch nicht da hoch gehen? Doch...

 

Kurz nach der Markierungssäule, wo die Wege zusammentreffen, gings bergauf, puh… Dafür erwartete uns oben tatsächlich eine sensationelle Aussicht, die für die Asphaltwege, die auch zu meistern waren, wieder entschädigten. Bei bestem Wetter konnte man das Panorama genießen, wenn nicht… ja wenn nicht mindestens viermal ein Hubschrauber in verdächtiger Tiefe herumgeschraubt wäre, so dass ich erstmal zu den Ponys flitzen musste, falls der etwa landen würde, weil dann wären die bestimmt weg gewesen. Das war leicht ärgerlich, und natürlich völlig unverständlich für die anderen die Aussicht genießenden Pilger. Die Glücklichen. Endlich drehte der Schraubhuber mal ab, und ich kam auch mal zur Ruhe, band die Ponys an und tankte die Wasserflaschen nach, ja, hier oben gibt es sogar einen Wasserhahn!


Nach dem Abstieg hatte ich bei den heute herrschenden hohen Temperaturen nicht mehr allzuviel Lust auf einen langen Marsch und fragte beim nächstbesten Bauern, ob der nicht eine Wiese hätte, brav auf Französisch natürlich. Als Antwort kam ein unverständliches Kauderwelsch, und eingedenk des letztjährigen Erlebnisses mit dem Quittenmann diskutierten wir noch ein Weilchen, damit auch restlos klar war, dass das eh ginge. Das heißt, ich sagte irgendwas, und er irgendwas drauf, was zumindest klang wie „chapelle“ – Kapelle. Letztendlich machte er eine einladende Geste, stieg auf den (österreichischen) Traktor und tuckerte los, ich hinterher. Gleich nach der Kapelle war seine Schafweide, und er deutete mir, wo ich den Zaun bauen könnte. Das war ein schönes großes grasreiches Stück, Ponyherz, was begehrst du mehr? In dem Kapellen-Vorraum könnte ich meine Sachen lagern, und dann könnte ich ja wie gestern mein Zelt unter Dach trocken aufstellen. Er legte auch noch besonderen Ehrgeiz darein, den Zaun schön zu spannen, das will was heißen, holte extra noch Schnur, wir hatten jedenfalls auch ohne sprachliches Verständnis unseren Spaß. Derweil die Damen schon mal Mäharbeiten erledigten, fragte ich in der Gîte nebenan, ob es noch ein Plätzchen beim Abendessen gäbe. Zunächst war die Antwort abschlägig, aber dann hatte Marie ein Herz für Ponyreisende und ja, duschen könnte ich auch (vielleicht war das keine schlechte Idee?)

Beim Abendessen lernte ich noch zwei Australier und eine Amerikanerin kennen, wir unterhielten uns blendend und die waren froh, sich mal nicht mit Französisch rumplagen zu müssen. Ist aber immer wieder lustig, den Anglophonen beim Sprechen zuzuhören, klingt süß… wahrscheinlich denken die anderen über die Deutschen ähnlich (oder ärger) haha…

Die Aussies - die sich in Österreich köstlich über "Bad Aussee" amüsierten

 

Gut abgefüttert wendete ich mich der Kapelle zu und ließ das Zelt bauen sein, es schlief sich unter dem Dach genauso gut, und die Ruhe war himmlisch.

 

 

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