Die Condomquerung
Alle schlechten Dinge brachten es gestern noch auf vier, denn meine gute Aldis daheim meinte wohl, sie hätte gerne nochmal den Tierarztbesuch, sie hatte Fieber, zum Glück hatten die Daheimgebliebenen alles im Griff, und es geht ihr schon wieder besser. Derweilen verbrachte ich die Nacht in Le Haou, einem großen Pferdehof, der seine allerbesten Tage auch schon hinter sich hat, doch das Anwesen strahlt noch einen Flair der guten alten Zeit aus… wie damals, als man noch mit der Kutsche fuhr… Die Mädels standen in einem Berg Heu und morgens gabs mal wieder „granülee“. Heute würde ich Maja beglücken, mich tragen zu dürfen, und kam auch zügig los, während Gérard, der Hausherr, gerade der morgendlichen Pensionistentruppe zu Klavierklängen von Yann Tiersen Unterricht erteilte, sehr erhebend. Er hatte mir auch die folgende Unterkunft organisiert, ist selber wanderreitend unterwegs und auch schon den französischen Teil des Jakobsweges geritten.
Doch zunächst stand die Stadt auf dem Programm, über deren Namen sich natürlich die halbe Pilgerwelt lustig macht - Condom. Sie war allerdings wie die anderen auch – lästige Autofahrer. Da hilft nur die Straßensperre. Den französischen Autofahrern (und -innen! Die sind nix besser) werd ich das langsame Vorbeifahren schon noch beibringen. In der Innenstadt bevölkerte ich dann doch mal wieder den Gehsteig – prompt mußte Saeta einen Briefkasten schrammen, die 100%ige Wasserdichtigkeit ist bei den Fahrradtaschen wohl dahin. Mit Maja als Handpferd (die paßt auf) hatte ich schon vergessen, was ein „Panzer“ ist… man muss immer für Saeta mitdenken, denn sie rechnet nur ihre eigene Breite, die Taschen sind ihr wurst. Die allgegenwärtigen Brombeerranken haben die Taschen überlebt, aber eine Metallkante war etwas zu viel. Immerhin, ich kam direkt an einer Bäckerei vorbei, Brot- und Nachspeisenreserve für die Packtaschen. Mmh.
Es ging bei vorzüglichem Wetter schön dahin, Pilger traf ich
heute nur wenige. Einer davon hatte einen ordentlichen Schritt drauf, hat mich
sogar überholt (!) – allerdings, einige Kilometer weiter traf ich ihn am
Straßenrand von Montreal-du-Gers wieder, den Daumen nach oben, aber zum
Autostoppen, haha. Doch etwas zu stark Gas gegeben, tja, wer mit Maja mithalten
will, muss schon gut beinander sein. (Gell, Saeta!) Direkt in der Altstadt von Montreal war
mal wieder Gelegenheit, die Schaufel zu testen, es war nicht so einfach, Grünzeug
zu finden, das Dünger brauchte, aber ich hoffe, die Rosen freuen sich. Pünktlich gestern hatte sich ja das vom letzten Jahr noch mitgeführte Netto-Plastiksackerl in die Brombeeren aufgelöst, tja. Das Timing immer... Jetzt hängt das Schauferl offen am Kabelbinder ganz lecker am Sattel.
Ohne weitere Schlechtigkeiten ging der Tag in der Bauernhof-Gîte „Le Couloumé“ gemächlich zu Ende, mit Abendessen, gemeinsam mit einigen Mitpilgern, die dann doch noch aufgetaucht waren.
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| Wenn man sich doch mal einig wäre, wo die 1000er Grenze ist? |
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| links Helmut2, rechts das ausgediente Nettosackerl, im Vordergrund Messi, die Zugwaage |




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