Ein Tag wie eine Woche
Das Dorf der nunmehr Katzen entließ mich ca. um 10 Uhr, der hospitalero hätte mich am liebsten da behalten – er hatte mal 200 Kühe, wenn ichs richtig verstanden habe. Jetzt nur mehr Gäste. Hmm, was ihm wohl lieber war…?
Peter checkte genauso spät aus wie ich, allerdings mußte ich ja noch aufpacken. Ich wünschte ihm noch buen camino und als ich fertig war, wanderten wir los. In den Bergen, in denen wir uns jetzt befanden, wehte es die Wolken herum, fast wie im Nebel. Die ganze Meseta liegt ja auf ca. 900 Meter Seehöhe, und seit León waren wir nicht sehr viel herunter gekommen, im Gegenteil. Foncebadon liegt auf 1440 m und heute war der höchste Punkt des Camino Frances zu erklimmen. Nicht wirklich steil, aber der Weg war manchmal etwas ausgeschwemmt nach den Regenfällen. Das Cruz de Ferro, das eiserne Kreuz, hält mit 1500 m den Höhenrekord. Dort legen die Pilger alle ihre mitgebrachten Steine ab. Symbolisch für die Härten und so… Meinen Stein hatte ich kurz zuvor aufgelesen, ich bin doch nicht blöd und schlepp den von daheim mit. Die Härten des Lebens zeigen sich so oder so, auch ohne Stein.
Angeblich war der tatsächliche keltische Kult-Ort weiter östlich und der jetzige Hügel wurde erst im Zuge des Straßenbaus der besseren Erreichbarkeit halber aufgeschüttet. Damit die Bustouris nicht so weit zu gehen haben. Die Armen… Die Information stammt von dem selbsternannten „letzten Templer“ Tomas, der in Manjarin eine Herberge hatte. Hatte, denn er lebt nicht mehr dort. Im Internet kursieren einige Geschichten über den Mann. Ich war neugierig, ob ich ihn antreffen würde, aber ich hatte Pech. Seit ein oder zwei Jahren scheint er in tiefere Lagen gezogen zu sein, wegen Herzproblemen. Den Ponys wars egal, das Gras dort schmeckte sehr gut, Anlaß für eine Pause.
Von nun an gings bergab. Sprichwörtlich. Da mich Peter schon vorgewarnt hatte, nahm ich zeitweilig die Straße, des besseren Grips halber. Nach dem ersten Ort beim Abstieg, wo die Pilgerschar bereits heftig einkehrte, traf ich Luna wieder, die heute in keiner sehr guten Verfassung war. Kurzerhand tauschten wir die Rollen und sie ritt auf Maja weiter, während ich ihren Rucksack testete. Beim letzten Treffen hatten wir gewogen, heute mag er vielleicht 8,5 kg gehabt haben. Es begann eine Bergab-Kraxelei, und die Stelle, vor der ich gewarnt worden war, kam dann doch noch, Überraschung…
Dort war ich sehr froh, Luna als Vorausgeherin zu haben, so waren die beiden halbwegs normal im Tempo und nicht so irre wie damals, als wir nach St. Privat die Kletterpartie zu überwinden hatten. Weiter unten trafen wir noch Gianluca, einen Italiener, der mit der Italien-Truppe unterwegs gewesen war, und marschierten zu dritt bzw. zu fünft weiter, Richtung Stadt, Ponferrada, die heute laut App eine kirchliche albergue mit Pferdeunterbringung zu bieten hätte. Mein Buchungs-Engel war dort auch vor zwei Jahren gewesen, Pony gleich neben der Herberge. Frohen Mutes lief ich dort ein, bat Gianluca um Fürsprache bei der hospitalera, die nach einer Ewigkeit herauskam, und… nur spanisch sprach.
Das wäre nicht so schlimm gewesen, denn Gianluca dolmetschte nach Kräften, aber der Inhalt war sehr unbefriedigend. Man könne nicht… und keine Ahnung was… einen Stall finden.. Policia anrufen? Alles nur spanische Dörfer für mich, letztendlich ging ich doch mal persönlich in die Rezeption, das konnte es doch nicht geben. Dort empfing mich eine englische hospitalera, warum hatte man die spanische rausgeschickt, fragte ich mich, die Kommunikation ging gleich um 200 Prozent besser, doch das Ergebnis war, höflich ausgedrückt, mehr als dürftig. Dabei war die Wiese in Sichtweite, der Zugang offen und hätte nur zwei Seiten Zaunleine gebraucht… Ich würde ja nix sagen, wenn die Grundstücke hier gepflegt wie der englische Rasen wären und die Besitzer darauf Wert legen würden, dass es so bleibt, das Gegenteil ist meist der Fall… Leicht gesäuert und bereits 29 km drauf habend, packte ich die Ponys und würde einfach auf dem schnellsten Weg diese mehr als ungastliche Stätte verlassen – und sowas nennt sich christliche Herberge. Typisch. Da wird man gleich an Taizé erinnert. Schönen Dank nochmal.
Die Mädels waren mehr als unerfreut, sie wollten sich vom
guten luzernedurchsetzten Stadtgras nicht trennen, und schlichen nur noch
hinter mir her, den direkten Weg raus nehmend, auf den Camino mit seinen kulturellen Umwegen pfiff ich, der Abend dräute.
Laut info wäre der nächste aufnehmende Ort erst in 6 km, also trieb ich die beiden zu Höchstleistungen an, nun ja, den Umständen entsprechend. Gottlob fanden wir noch einen Supermarkt auf dem Weg mit!! Anbindemöglichkeit.
Beim nächsten Tierfutterladen probierte ich mein Glück – vielleicht kennen solche Leute ja jemanden? Leider mal wieder nur Spanisch, Hände und Füße, und aus Mitleid gabs noch ein paar Mega-Heucobs von dem guten Mann, Miguel sein Name. Vergelts Gott! Die nächsten Passantinnen, ältere Damen mit Gehstöcken, wiesen immerhin die richtige Richtung, ich bog ab – doch alles zu. Die Saison-Ende-Ferien hatten begonnen.
Schön langsam wurde es dunkel, der Nachbar erklärte mir in Sp-english, es seien „nur noch“ 2 km bis zur nächsten albergue, was blieb mir übrig, als mit den schon recht fress-lästigen Weibern weiterzuhumpeln. Humpeln deshalb, weil man von denen alle zwei Meter nach hinten gezerrt wurde, wegen des Graserls…. Ich telefonierte mit meinem Schutzengel, derweil checkten sich die Ponys selbständig in eine Wiese ein, und noch während des Gesprächs fand ich raus, dass diese optimale Bedingungen aufwies für ein spontanes Campen. Es gab einen Zaun, nur das Tor war offen, ein Heuballen lag in einem alten LKW-Aufbau so halb im Trockenen, da bräuchte ich ja nicht mal das Zelt aufbauen. Rechtlich hatte ich als Pilger auch eine wild card, da ein abgewiesener Pilger, der keine Herberge findet, rechtlich einwandfrei campen darf. So holte ich das kurze Elektroschnürl raus, band es um das Tor, hier würde heute Nacht ohnehin keiner raus wollen. Der Essenstisch war reichhaltig gedeckt hier, und meine frisch gekaufte Brotzeit langte mir auch als Abendessen. Regen war nicht angesagt, unterhalb war dick isoliert, also ab in den Schlafsack, mit viel Frischluft. Im Dunkeln würde uns hier sowieso keiner bemerken. Außer den Hunden der Nachbarschaft, die hatten heute Chorprobe im Synchronbellen. Aber auch die gaben irgendwann Ruhe.
![]() |
| Manjarin |
![]() |
| Blick auf El Acebo |





Kommentare
Kommentar veröffentlichen