Foncebadon – das Dorf der wilden Hunde?

 


Wer je Shirley MacLaines Buch über den Jakobsweg gelesen hat, mag sich gedacht haben, na da geht’s zu am Jakobsweg: Dreckige Unterkünfte, wo die Ratten durch die Schlafräume rennen, Duschen mit kaltem Wasser, Sanitäranlagen zum Davonlaufen, etc. Eine Episode behandelt das damals verlassene Dorf Foncebadon, wo die Hunde wohl einfach sich selbst überlassen worden waren, während die Leute das Weite gesucht hatten. Die waren dann wahrscheinlich auch nicht immer ganz so friedlich und nett, kann man sich vorstellen.

Als wir uns die heutige Etappe ausrechneten, die hübsch bergauf gehen sollte, kam als eines der möglichen Ziele ebendieses Dorf in Frage. Wo es laut App aber mindestens sieben Herbergen geben sollte. Von verlassen kann also keine Rede sein. Aber vor dreißig Jahren oder mehr, als das Buch geschrieben wurde, mag die Sache anders gewesen sein.

Seitdem hat sich bestimmt einiges verändert, der Boom am Jakobsweg ist ja seit ein paar Jahren ungebremst, der bewußte Pilger macht sich schon seine Gedanken, wie das alles weitergehen soll, es gehen soviele Asiaten, darunter jede Menge Koreaner, die daheim eine Serie schauen, die vom Jakobsweg oder der Gegend des Jakobsweges handelt, und da müssen sie dann alle selber hin und stapfen tapfer mit. Wenn mans jetzt auf die „moderne“ Zeit hochrechnet, könnte es in ein paar Jahren dann nur mehr das Pilgern mit App geben, wo jeder Pilger dann in eine Herberge zugeteilt wird, weil einfach sonst der Platz nicht langt. Oder man baut noch Massenabfertigungs-Container... Hoffen wirs mal nicht, dass es soweit kommt.

Derweilen konnten wir letzte Pilger für dieses Jahr bei David noch gemütlich auschecken, und das gemischte Wetter für heute genießen, mal trocken, mal leicht sonnig, dann wieder nass-spritzelig. Für heute wollte ichs mal nicht so streng angehen, die letzten beiden Tage wars spät geworden, also landete ich nach stetigem Bergauf genau in dem Wilden-Hunde-Dorf. Von verlassenen Hunden allerdings keine Spur, alles bewohnt, mehr noch als anderswo, wo auf so vielen Häusern/Grundstücken „se vende“ steht, und man sich fragt, wer diese Buden denn kaufen wird, die zum Teil schon zusammenfallen oder so aussehen, als wäre da ganz dringender Renovierungsbedarf. 

Abends war ich noch extra essen, ich buchte mal nicht das Abendessen in der albergue, weil mir der Sinn nach Kartoffeln war. Die mittelalterlich eingerichtete Labungsstelle am Ortseingang war recht heimelig, obwohl die angepriesene "vegetarische Küche" etwas hausbacken war, aber egal, der Bauch wurde voll. Dort traf ich noch jemanden, der in der letzten Zeit eine Art "Katzenkonferenz" bei Nacht beobachtet haben will, alle leuchtenden Augenpaare auf ihn gerichtet... Vielleicht haben ja die Katzen das Kommando übernommen?

Die Überraschung des Tages: Ich traf noch einen Österreicher, Peter aus dem Burgenland, der den Weg im Frühjahr schon mal gegangen war und jetzt zum Wiederholungstäter wurde. Daher konnte er mir auch gleich den Tipp mitgeben, dass man den Abstieg, der ähnlich sportlich wie bei der zweiten spanischen Etappe würde, auf der Straße umgehen könne. Vielen Dank für den Hinweis, nochmal geb ich mir das Gekraxele nicht. Zufälligerweise landete er in der gleichen albergue wie ich. Diesmal ohne Luna und Daniela. Wo die Ponys gleich neben dem Haus eincheckten. Jetzt, Mitte Oktober, sperrten etliche Herbergen zu, ab jetzt wird’s also spannend für den letzten Teil, das Ende naht…

Weit und breit kein Hund in Sicht

 

 

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