Im Schleichschritt durch die Weinberge

 


Ich habs ja noch nie verstanden, wieso manche Pilger sich frühmorgens, wenn alles finster ist und die Mehrzahl der anderen noch schläft, auf die Socken machen müssen. Einmal sah ich welche um ca 5 Uhr morgens herrichten... Da ich heute schnell die Biege machen wollte, war ich auch noch im Finsteren los, ganz finster war es eh nicht, zunächst schien noch der Vollmond, dann begann es leicht zu dämmern, also es war kurz vor acht Uhr. Trotzdem schlurften wir noch im Dreivierteldunkel dahin, aufpassen mußt wegen der Autos, die Strecke unreizvoll, im Dunkeln noch mehr, einziger Lichtblick, die Bar, die kurz vor neun linkerhand erschien und ich mal als erster Pilger einkehrte zum Frühstücken. Und wenigstens verpaßt man in der Siedlung nix von der Landschaft…  

Klarerweise war der Pilgerschwung von Ponferrada noch nicht da, ich hatte ja etliche Kilometer Vorsprung. Aber ich sollte nicht die einzige bleiben, ein junger Cornetto-Spanier mit Rucksack holte sich einen Kaffee, entweder der rennt oder ist um sechs los oder beides.

Den gestrigen Abstieg noch in den Beinen, waren wir alle drei nicht wirklich motiviert, zumal der Anfang der Strecke durch Siedlungsgebiet ging… Im zweiten Städtl war ein Haushaltswarenladen offen, wo ich für 1,80 einen Ersatzeimer „made in Spain“ erwarb. Lebensmittelecht ist der sicher nicht, aber ganz ohne Kübel ists nicht gut. Die Ladenbesitzer, beides Pferdeleute, winkten mir zum Abschied. Wieder mal an der Straße lang, ächz. Nach der Halbzeit gings endlich mal weg davon, und wir kamen wieder durch Weinberge, was ganz nett war zum Ausgleich. Wir konnten ob der frühen Stunde dort eine nette lange Mittagspause machen mit Aussicht, und ich kam immer noch sehr früh an meinem Zielort Villanfranca del Bierzo an, wo ich eine große Wiese mit ewig nicht gemähtem Gras einzäunte. Ein Fußballplatz war auch noch im Angebot. Erstmal gab ich ihnen einen Teil der gestrigen Geschenke plus Minerale, da war Maja schon etwas unlocker. Zunächst fraßen die beiden da noch gemütlich das Gras, samt Heu am Stiel, doch nach einer Weile fingen sie an, im Kreis zu gehen. Erst dachte ich mir nichts dabei, aber als die Spurrinne immer tiefer wurde und sie nach dem Einkaufen immer noch kreiselten, mußte eine Erklärung her. War das Futtergeschenk so energiereich gewesen, die Ponys etwa nicht ausgelastet?? Von wegen ruhiger Nachmittag...

Ich schnappte sie mir und band sie vor der albergue an, wo dann auch Ruhe war. In meiner Not sprühte ich die beiden mal mit Insektenspray ein, vielleicht regten sie die kleinen Fliegen ja so auf, dass sie keine Ruhe hatten. Was bei Maja heißt, dass ich dazu laut pfeifen muss, damit sie den Ton vom Spray nicht hört, sonst kriegt sie die Krise. Solchermaßen präpariert, führte ich sie ein wenig rum und wir gingen etwas höher hinauf, wo ich den „Fußballplatz“ in Augenschein nahm. Dort war genauso alles überwuchert, aber sie begannen gleich zu fressen. Puh. Also nochmal Zaun versetzt und den Bereich etwas kleiner gemacht. Sie müssen ja nicht nochmal 5 Kilometer kreiseln. Sonst zeigen sie mir den Vogel, wenns morgen bergauf geht. Oder war das die Taktik?

der Kreisel

 

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