Wespenpause

 


Die Nacht war….

Mir fehlen die Worte, und das will was heißen, ein solches Fortissimo an Schlafgeräuschen hatte ich bis dato noch nicht gehabt und ging gerädert zum Frühstück, nachdem gefühlt ab 6 Uhr morgens jeder noch die maximale Geräuschkulisse produziert hatte beim Einpacken…

Ich frage mich manchmal, wie lange manche Leute wohl zum Packtaschen packen und Satteln brauchen würden, wenn sie schon mit einem einzigen Rucksack ewig rumwursteln und rascheln. Aber gut, nur kein Neid. Eigentlich wollte ich eine kleine Etappe reiten, lud mir gerade beim Frühstück die mir empfohlene App herunter, als mich plötzlich aus heiterem Himmel am linken Mittelfinger eine Wespe stach, und zwar recht ausdauernd, sie wollte einfach nicht abschwirren und hinterließ einen ziemlich dick werdenden, sehr schmerzhaften Stinkefinger, aua! Mit dem würde ich heute nirgendwohin reiten, geschweige denn ein Handpferd halten. Sehr schnell ergab ich mich in dieses Schicksal, zum einen war es einfach gemütlich hier, zum anderen hatte sich der tatsächlich existierende Franzose für heute in Granon angekündigt, man könnte ja mal schauen, ob sich vierfach isländisch beritten nicht ein paar Synergien schaffen ließen.


 

Erstmal war ich aber mit Icepack am Finger auf der Suche nach Futter, denn meine girls hatten den Schulhof schon ganz schön niedergemäht, und es sollten ja vier satt werden… Padre Alejandro gab sein Bestes, er rief im Ort die Nachbarn an, aber hier scheinen die Leute nicht recht zu verstehen, dass ein Pferd Raufutter braucht, und das nicht nur in homöopathischen Dosen, es war schwierig bis unmöglich – keine Viehzucht, Milchwirtschaft, nix.

STICH-Wort Homöopathie, am netten Ortseingang, wo die Pilger mit Klaviermusik und frischen Getränken begrüßt werden, traf ich ein Radler-Paar aus Hildesheim, die das Richtige für meinen Wespenstich mit hatten, es ist immer wieder toll, wies läuft…

Ich ging mal grasen, mal sehen. Ich hatte auch schon eine Wiese im Auge, da bedeutete man mir, ich möge mitkommen, und wurde auf eine andere Wiese empfohlen, wo der landesübliche Grase-Strick schon bereit lag. Ich könne ja meine Ponys da anhängen, es gäbe noch so einen Strick. Ich dankte und verwies auf mein eben gelerntes Vokabular „ich habe einen Elektrozaun“, na dann war alles gut. Mädels eingezäunt, Wasser geholt, voilá.

Nachmittags traf Jacques, der ominöse Franzose ein, ja es gab ihn wirklich! Wir checkten seine Pferde ein am Schulhof, Mutter und Sohn, und testeten mal die Bar. Wir erwogen zwar, die vier eventuell zusammenzustellen, aber es war so ganz und gar ungeklärt zwischen den Chefinnen, dass wir das bleiben ließen. Eine 12jährige Mutterstute und meine Saeta, die auch immer die erste Geige spielen will, das sollte man nicht überstürzen, sonst ist der Camino am Ende schneller aus als man denkt. Die wissen nur zu genau, wie man Hintern an Hintern Kräfte mißt.

zunächst wurden die Neuen nicht mal ignoriert

 

Ein weiterer Abend mit Gemeinschaftsmahl wurde diesmal von den zahlreich anwesenden Italienern pastamäßig gestaltet, gestern hatten die Koreaner was mit Reis gekocht. Und Salat! Den vermißt man hier zuweilen sehr. Ebenfalls sehr lecker, und das Spülen ging noch schneller, weil wir fast zu 60. waren.

Das verhieß nichts Gutes für die Nacht, ich schmiedete schon mal meinen Notfallplan... Obwohl mein Liegenachbar hoch und heilig versicherte, nicht zu schnarchen, wars trotz frühen Bettgehens (um beim Einschlaf-Rennen die Nase vorn zu haben) nicht zum Aushalten, im Eck sägten sie um die Wette und mein Bauchschlafnachbar (er schnarchte tatsächlich nicht) schloß irgendwann das offene Fenster. Oh nein, dachte ich, nicht auch noch schmoren im eigenen Saft, packte mein Notbett - Saetas Sattelpad - und verschwand in die Kapelle – himmlische Ruhe! Luft!  So ungewohnt, dass es doch noch ein Weilchen bis zum Einschlummern dauerte, aber es hat sich gelohnt.

 

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