Weiter zum Ende der Welt

Der Tag danach

begann mit einer heute gemütlichen Morgenprozedur, da sich das Aufstehen in der Herberge recht stressfrei gestaltete – keiner mußte heute irgendwie dringend los, man hatte keine Termine, und war ja schon da…. Zumal durch die Zeitumstellung ohnehin die meisten eher wach waren, aber erst ganz gemächlich in die Gänge kamen. Auch das Auschecken war nicht früh angesetzt, man könnte sogar bis zehn bleiben, und eine weitere Nacht buchen, die dann sogar billiger käme.

Ich hatte mich Giselle angeschlossen, die mit mir frühstücken ging, Richtung Bushaltestelle, und, oh Camino-Wunder (wie üblich halt) trafen wir Bekannte, es waren mal wieder Angelika und Peter! Ein aller-allerletztes Mal verabschiedeten wir uns voneinander, bevor ich ins nächste Taxi stieg und zum Reitstall hinausfuhr. Die netten Pferdepfleger waren auch wieder da, ich richtete geruhsam her und sattelte. Die deutsche Reitlehrerin erzählte mir, dass die Kinder sie am Vortag bereits gelöchert hatten, was denn das für neue Pferde wären und wann sie sie reiten könnten. Fad wurde den Ponys gestern sicher nicht mit den kids.

Gegen Mittag war ich dann mit noch ungewissem Ziel unterwegs, jedenfalls war Gabi mal wieder gefragt, die Route ging Richtung Finisterre-Camino, irgendwo liefen die Wege wieder zusammen, und ich genoß, jenseits von Zeit und Raum, das pilgerfreie Reiten bei perfektem Wetter. Ich hätte nicht sagen können, wo genau ich war, Spanien, Frankreich, Irgendwo? Egal.

Schöne Sand- und Wiesenwege waren heute unser Geläuf, allerdings mit dem Nachteil, dass man nie genau wußte, ob das auch klappen würde, die fehlende Brücke von León war mir noch in unguter Erinnerung. So standen wir einmal vor einer gesperrten Brücke, und erst nach Beteuerung durch eine Passantin, dass es nur für den Autoverkehr gälte, traute ich mich drüber, hatte schon versucht, Gabi umzuprogrammieren. In weiterer Folge ging es lauschigst an einem Bach entlang, aber so lauschig, dass an einer Stelle das Wasser den Weg halb weggeschwemmt hatte. Links Brombeergestrüpp. Nun gut, wozu hat man denn die Säge mit. Kaum schneidet man sich eine Schneise frei, kommt schon das nächste Hindernis, ein umgestürzter Baum. Den dann halt auch noch überschreitbar freischneiden. Endlich wieder auf dem Weg. Am Ende der Lauschigkeit kam die für Pferde unpassierbare Brücke. Okay, ich gabs auf. Alternative gefunden, auf der Straße weitergegangen.

Das open-source-Kartenmaterial sorgte auch sonst noch für kleine Überraschungen. Zum einen zeigte die Gabi-Anzeige mal an, dass ich gerade durch ein Gebäude durchreiten würde – aha? Das tat ich gerade sicher nicht... Die Straßenführung war ganz und gar nicht so wie auf der Karte, aber ich ging trotzdem in die grobe Richtung weiter. Danach kam wieder ein lauschiger Weg und ich war noch so am Zweifeln, ob das so schön bleiben würde wie es anfing, hätte ich nur meinem Bauchgefühl getraut, es kam nämlich eine Eukalyptusplantage daher, der eingezeichnete Weg existierte sicher seit Jahren nicht mehr. Ich sah sprichwörtlich den Wald vor Bäumen nicht, verlief mich beim Versuch, ohne umkehren herauszukommen, wiederum im Brombeergestrüpp, wobei natürlich Eimer Nr. 2 verlorenging. Mit Ach und Krach fand ich die Alternative, es war mal wieder eine Landstraße mit sonntagabendlichem Raserverkehr. Am Ende derselben war ich der ursprünglichen Caminoführung schon nahe, und versuchte diesmal auf eigene Faust, in Negreira unterzukommen. Siehe da, man sprach Englisch, und noch besser, man hatte ein super eingezäuntes Areal, das brach lag, Futter genug. Das letzte Stück durch Negreira war wieder am Camino. Geschafft, die hospitalera begrüßte mich dann auch noch auf (Schweizer-)Deutsch, sie hatte einige Jahre in der Schweiz verbracht, so dass ich zuerst annahm, sie sei Schweizerin. Gut gelernt!

Eine abendliche Pizza bei Herbergsschließungszeiten von erst 23 Uhr rundete den Abend schön ab. Geht ja doch…

hier gings erstmal nicht weiter

keine Mitpilger hier...

da auch nicht


lauschig am Bach...

N
...aber auch etwas ungesichert

Drüber oder nicht drüber?


 

Negreira


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